Meldung vom 17.04.2015

Sonderausstellung in Stralsund: Eine Seefahrt, die ist lustig? - Teil 3: Darßer Stube

Seit der Wende zum 19. Jahrhundert dauerte die Seefahrtsperiode von März/April bis November/Dezember. Im Sommer waren die Seefahrerdörfer meist männerleer.

Später dauerte eine Fahrt manchmal zwei bis vier Jahre. Um 1860 sah man z.B. die Schiffsleute vom Fischland in den Gewässern zwischen China, Japan, Sibirien und Australien. Schiffsbestand und Mannschaftsstärke hatten drastisch zugenommen, immer neue Ortschaften an unseren Küsten wurden Seefahrerdörfer, z.B. Pruchten und Michaelsdorf bei Barth, Orte im Süden Rügens und auf Usedom. So brachte es ein Teil der Bevölkerung zu beachtlichem Wohlstand, der sich besonders in der Wohnungseinrichtung der Seefahrer widerspiegelte.

Die typischen Möbelstücke entstanden mit ihrem Dekor unter dem Einfluss der Stilrichtungen des Empire und des Biedermeier. Der allgemein übliche rotbraune Farbanstrich wurde noch mit schwarz abgesetzt. Die Schlafbänke in den Stuben waren reich geschnitzt und oft mit einem Sitzpolster versehen. Abends zog man den mit Stroh und Betten gefüllten Kasten zum Schlafen für die Kinder nach vorn. Die Stühle wiesen die vielfältigsten geschnitzten und ausgesägten Motive auf und hatten häufig auch mit schwarzem Segelleinen oder Leder bezogene Polstersitze.

Der große Tisch, der bei Bedarf aufgeklappt werden konnte, und das ausziehbare, zweischläfrige Bett, waren praktisches und raumsparendes Mobiliar. Die Kleiderschränke hatten weitgehend die Koffertruhen verdrängt. Seemännische Handarbeiten, Schiffs- und Familienbilder schmückten die Wände. Die Mitbringsel, unter ihnen das englische Steingutgeschirr und die englischen Hunde, durften auch nicht fehlen.
Der Rückgang der Segel- und das Aufkommen der Dampfschifffahrt und die damit verbundene Verlagerung der Haupthandelsstraßen in den Atlantik, die Entwicklung des Bäderwesens und die zunehmende Angleichung an städtische Gewohnheiten führten zu einer allmählichen Auflösung dieser Wohnkultur.

Foto: Stube eines Seefahrer-Haushaltes, Darß, Mitte 19. Jahrhundert (Foto: Jutta Grudziecki)