Meldung vom 14.08.2015

Zweite Stralsunder Stadtgründungsurkunde von 1240 dank Rotary-Club restauriert

Heute (14. August) übergab die Präsidentin des Rotary-Clubs Stralsund, Dr. Heidrun Schröder, die restaurierte Stadtgründungsurkunde Nr. 2 von 1240 an das Stadtarchiv der Hansestadt Stralsund.

„Jeder Stralsunder sollte aufgerufen sein und sich verpflichtet fühlen, etwas für die Stadt zu tun. Das Geerbte zu pflegen, zu schützen und aufrecht zu erhalten, ist eine wichtige Angelegenheit.“, nennt Dr. Schröder die Beweggründe des Clubs, der die Finanzierung der Restaurierung der zweiten Stadtgründungsurkunde von 1240 übernommen hat.

Am 25. Februar 1240 stellte Fürst Wizlaw I. auf seiner Prohner Burg eine zweite Stadtgründungsurkunde aus. Die Stadtrechte und Privilegien werden darin detaillierter ausgeführt, so zum Beispiel der Besitz von Wald- und Wiesenflächen und der Insel Dänholm sowie die Fischereigerechtigkeit.

Das Dokument wurde von dem Lassaner Restaurator Eckard Kobelius aufgearbeitet: Das Pergament aus Schafshaut wurde dabei gereinigt und geglättet. Die beiden Siegel, von denen eines das private Siegel des Fürsten und das andere das des Fürstentums Rügen ist, wurden ebenfalls gereinigt, gefestigt und ergänzt.
„Für die Siegel habe ich zwei Tage gebraucht, insgesamt war die Urkunde fast zwei Monate bei mir.“, beschreibt der erfahrene Restaurator, welcher für die Hansestadt Stralsund unter anderem drei Globen und weitere Urkunden restauriert hat, den Arbeitsumfang.

„Nicht viele Städte besitzen ihre Stadtgründungsurkunden noch, wir haben sogar zwei.“, erzählt der amtierende Leiter des Amtes für Kultur, Schule und Sport, Dr. Andreas Grüger, stolz. Solche Originale können nun, in speziellen Vitrinen, auch für die Öffentlichkeit ausgestellt werden.
Der Dank des Stadtarchivs richtet sich deshalb vor allem an den Rotary-Club Stralsund, der das möglich machte.

Zur Städtischen Urkunde Nr. 2 von 1240
Diese Urkunde wurde bis in das frühe 20. Jahrhundert als die eigentliche Stadtrechtsverleihungsurkunde angesehen und erst danach die ältere und tatsächlich erste von 1234.
Der Grund dafür ist insbesondere der, dass in der Urkunde von 1240 die Rechte, Privilegien und Besitzungen, die Fürst Wizlaw I. von Rügen der Stadt Stralsund übertrug, detailliert beschrieben sind, wogegen in der Urkunde von 1234 lediglich ganz allgemein die Übertragung des Rechtes, wie es die Stadt Rostock hat, erfolgt. So beziehen sich alle Bestätigungen der Stadtrechte durch spätere Herrscher daher auf die Urkunde von 1240 und nicht auf die von 1234.
Wie schnell sich die Stadt entwickelte zeigt sich also daran, dass es bereits sechs Jahre nach Ausstellung der ersten Urkunde die Notwendigkeit gab, diese Rechte noch einmal präziser gefasst mit einer weiteren Urkunde zu verleihen. Deshalb gehört die Stadtrechtsverleihungsurkunde von 1240 zweifellos zu den wichtigsten mittelalterlichen Dokumenten zur Geschichte der Stadt Stralsund, die im Original im Stadtarchiv vorliegen.

Der genaue Text der Urkunde
"Wizlaw I., Fürst von Rügen, verleiht der Stadt Stralsund das Recht, welches Herr Borwin der Stadt Rostock verliehen hat. Weiterhin übergibt er ihr einen Teil des angrenzenden Waldes zur Ausrodung, verkauft ihr die Ländereien des angrenzenden Ortes, wo früher die Fähre nach Rügen war, für 90 rügensche Mark, schenkt ihr innerhalb ihrer Grenzen alle Weidegerechtigkeit in Wald und Feld, die Insel Strale und die Mitfischerei in den Gewässern von der neuen Reka bis zum Gelemne, weiter bis Umanz und bis Byssin, danach bis an den Bach Bresnitz und zum See Tyvin. Er behält sich aber die Fischerei in den fürstlichen Mühlenteichen vor sowie die Jagd auf Hirsche und Rehe. In seinem Herrschaftsgebiet werden die Bürger von den Zöllen befreit."

Der Rotary-Club Stralsund
http://www.rotary1940.de/stralsund/index.php

Die zweite Stadtgründungsurkunde ist zurückgekehrt (4 Bilder)