Meldung vom 30.09.2015

Stralsunder Musikschulorchester aus Japan zurück

Ein Reisebericht von Musikschuldirektor Wolfgang Spitz

Nach intensiver Vorbereitung konnte die große Gruppe aus 65 jungen Orchestermitglieder der Musikschule, Eltern, Pädagogen und zwei Übersetzerinnen am 16. September nach Japan aufbrechen. Mit Zwischenstopp in Zürich trafen wir am 17. September am Flughafen Tokio-Narita ein und wurden dort von unseren Gastgebern herzlich empfangen. Eine Busfahrt im Regen brachte uns dann zu unserer Unterkunft, in der uns zahlreiche Deutschlandfahnen begrüßten. Danach ging es für einen Teil des Orchesters, die Stimmführer, Eltern und Pädagogen zu einem Empfang des Oberbürgermeisters Izaki der Stadt Nagareyama, der sich den Jugendlichen und dem Orchesteraustausch gegenüber sehr aufgeschlossen zeigte. Für den Abend war dann sofort die erste Orchesterprobe angesetzt, in der das gesamte Musikschulorchester und ihr Dirigent musizierten.

Japanisches Welterbe
Am nächsten Tag stand ein Ausflug in die Berge auf dem Programm. Nachdem wir zuerst den Kegon-Wasserfall vor einem erloschenen Vulkan besuchten, war der buddhistische Tempel im Nikko-Nationalpark – UNESCO-Weltkulturerbe wie die Stralsunder Altstadt – unser eindrucksvolles Ziel.
Endlich folgte danach die erste Probe mit unserem japanischen Gastgeberorchester. Viele Orchestermitglieder der Musikschule waren sehr froh, die jungen Japanerinnen und Japaner wieder zu treffen, die im vergangenen Jahr in Stralsund gewesen sind, denn viele Kontakte zwischen den jungen Musikern sind seitdem gepflegt worden.
Unter dem Dirigat von Kanae Shiba, Geigendozent und Dirigent aus Tokio, sowie unter der Leitung des Stralsunder Musikschulleiters, Wolfgang Spitz, probte das fast 100-köpfige Jugendorchester für das Opening-Konzert.

Tokio: Mega-Großstadt
Eine Zugfahrt führte die Stralsunder im Anschluss in die japanische Hauptstadt Tokio. Das war eine spannende Sache, denn keiner unserer jungen Orchestermitglieder durfte in der Mega-Großstadt verloren gehen. Gemeinsam mit allen Eltern, Pädagogen, Übersetzern und den leicht zu erkennenden Musikschul-T-Shirts in leuchtendem Musikschul-Gelb konnten wir uns zwischen dem Stadtteil Asakusa und dem über 630 m hohen Skytree bei fast tropischen Temperaturen bewegen und alle wohlbehalten nach Nagareyama zurückkehren.

Erstes Konzert vor 500 Gästen
Der Folgetag war ganz dem gemeinsamen Proben und Konzertieren verschrieben. Mit einem Opening-Konzert vor ca. 500 Gästen im Atrium der Unterkunft warb das große Orchester für das eigentliche Konzert, das am Ende des Jugendaustausches stand. Vor dem Konzert spielten unsere Gastgeber die deutsche Nationalhymne in Endlosschleife ab und Deutschland-Fahnen begrüßten uns.
Bei dem anschließenden Empfang konnte das Stralsunder Musikschulorchester seinen Dank für die sehr herzliche Aufnahme in Japan und für die wirklich intensive Betreuung vor Ort ausdrücken. Vor einer Stralsundfahne wurden nicht nur Dankesworte ausgesprochen und Gastgeschenke ausgetauscht, sondern die Kontakte zwischen japanischen und deutschen Partnern vertieft.

In Vorbereitung des großen Konzertes in der Nagareyama-City Hall standen an den Folgetagen sehr intensive Proben auf dem Programm. Natürlich waren beide Orchester vor der Reise gut vorbereitet worden, dennoch stand die Aufgabe vor dem Orchester und ihren Dirigenten, ein gemeinsames Orchester zu formen. Wir merkten schnell, dass es den Stralsunder Jugendlichen und ihren japanischen Partnern trotz der sprachlichen Barriere – nur wenige Japaner können sich gut auf Englisch verständigen - leicht fiel, eine überzeugende musikalische Qualität zu formen.

Zugabe für 800 Zuhörer
So war dann auch das Abschlusskonzert am 22. September vor 800 Gästen ein wunderbares Erlebnis für uns alle. Ein sehr umfangreiches Konzertprogramm, in dem beide Orchester alleine und als großes Orchester gemeinsam konzertierten, mit Wiebke Reikowski – Sopran – und Annemarie Troeger – Violine - zwei Solistinnen aus der Stralsunder Musikschule neben einer jungen japanischen Geigerin und ein hochmotiviertes Jugendorchester machte mit Edvard Elgars Marsch aus „Pomp and circumstances“ eine Zugabe notwendig.

Dieses Konzert in einem Konzertsaal, der doppelt so groß wie das Stralsunder Theater ist, wird für die jungen Orchestermitglieder und alle Betreuer noch lange in Erinnerung bleiben. Zum Abschied flossen viele Tränen, als wir am 23. September wieder nach Stralsund aufbrachen.

Ein Dank
Wir bedanken uns sehr bei allen, die dazu beigetragen haben, den deutsch-japanischen Jugendaustausch zu ermöglichen:
den Eltern unserer Orchestermitglieder, die unseren 54 jungen Musikerinnen und Musikern die Reise ermöglicht haben,
dem Verband deutscher Musikschulen e.V., der uns mit Mitteln aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes ca. 1/3 der Finanzierung zur Verfügung stellte,
der Hansestadt Stralsund für ihre finanzielle Unterstützung, für die Hilfe bei den offiziellen Gastgeschenken und die positive Entscheidung durch unseren Oberbürgermeister Dr.-Ing. Alexander Badrow,
dem Verein SFS-sun family strings in Nagareyama für die Einladung,
bei allen Spendern, die einen unverzichtbaren Beitrag für unseren Austausch leisten konnten,
den allgemein bildenden Schulen, welche unsere Orchestermitglieder vom Unterricht freigestellt haben und
unseren mitreisenden Eltern, Pädagogen und den Übersetzerinnen Wakana Yamazaki von der Musikschule und Dr. Sabine Koppe.

Von diesem Jugendaustausch werden wir noch sehr lange zehren. Wir sind begeistert von Japan, von den Menschen und ihrer Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und ihrer Menschlichkeit! Ich persönlich bin wirklich begeistert von unserem Orchester sowie allen Helferinnen und Helfern und sage ganz herzlich „DANKE!“

Foto: Das Orchester der Musikschule in traditionellen japanischen Yukata-Kimonos