Meldung vom 27.11.2016

Stralsunder Zoo: Weiße Barockesel als offizielle Rasse anerkannt

Langjährige Zuchtbemühungen zahlen sich aus

Seit 1990 wird mit den Weißen Eseln im Zoo Stralsund eine haustiergeschichtliche Rarität gepflegt. Die fünf Tiere die damals über verschlungene Wege nach Stralsund kamen, bildeten den Grundstock für eine erfolgreiche Zucht.  

Gemeinsam mit Zoos und privaten Züchtern aus Österreich, der Schweiz und Ungarn wurde im Jahr 2010 ein Zuchtverein zur Erhaltung dieses seltenen Eselschlages gegründet.  

Neben der Koordinierung der Erhaltungszucht war auch die offizielle Anerkennung der Rasse ein wesentliches Ziel des Vereins. Diese Bemühungen wurden jetzt mit Erfolg gekrönt! 

Der österreichische Tierzuchtrat hat die eingereichte Zuchtbuchordnung positiv begutachtet und damit den „Österreichisch- Ungarischen Weißen Barockesel“ in Österreich offiziell als neue Rasse anerkannt. Außerdem wurde die neu anerkannte Rasse für das Jahr 2017 als ARCHE Austria Rasse des Jahres auserwählt und der Naturschutzbund hat sie zur Nutztierrasse des Jahres 2017 auserkoren. 

Ausführliche Informationen 

Es waren mehrere Zufälle, die dazu führten, dass am 30. Januar 1990 drei männliche und zwei weibliche Weiße Esel aus Österreich über den Zoo Erfurt nach Stralsund kamen. Diese Tiere bildeten den Grundstock für die langjährige erfolgreiche Zucht im Zoo Stralsund. Schon damals stand fest, dass eine reinerbig weiße Eselpopulation von einigem haustiergeschichtlichen Interesse sein dürfte. Zunächst wurde noch davon ausgegangen, dass es sich um albinotische Tiere handelt. Weitere Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Tiere Pigmente haben und damit keine Albinos sein können. 

Weiße Esel waren bereits im Altertum bekannt und so sehr geschätzt, dass sie in Nordafrika und im vorderen Orient den Königen und Fürsten als Reittiere dienten. Der bekannteste Vertreter ist der Große Weiße Ägyptische oder Muscatesel.

Im Gegensatz zu den Weißen Barockeseln werden die Jungtiere bei dieser Rasse jedoch schwarz geboren und färben, dann wie auch die Schimmel bei den Pferden, in den ersten Lebensjahren um. Bei den Barockeseln handelt es sich jedoch um sogenannte „weißgeborene“ Tiere.  

Weiße Tiere spielten in der Kulturgeschichte häufig eine hervorgehobene Rolle, teilweise fiel ihnen nahezu kultische Bedeutung zu. Diese Besonderheit war den Landadligen der KuK- Monarchie Österreich- Ungarn offensichtlich bewusst, als sie im 18. Jahrhundert begannen zielgerichtet weiße Esel zu züchten. Das Interesse an diesen Tier ließ zwar nach der Barockzeit wieder nach, aber dennoch gab es immer wieder Züchter, die insbesondere in Österreich und in Ungarn besonderen Wert auf weiße Tiere legten und so konnten sich wenige Exemplare bis in die Gegenwart erhalten.

In Österreich wurde das Interesse an den Weißen Eseln durch den inzwischen verstorbenen, ehemaligen Erfurter Zoodirektor, Prof. Dr. Altmann geweckt. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass im Jahr 2010 der „Verein zur Erhaltung der weißen Barockesel“ gegründet wurde. Inzwischen wurde ein Zuchtbuch erarbeitet, in welches alle reinrassigen Tiere aufgenommen wurden.
Der Stralsunder Bestand ist in diesem Zuchtbuch ein wichtiger Teilbestand, insbesondere deshalb, weil er seit 1990 lückenlos dokumentiert ist. Neben der Koordinierung der Erhaltungszucht war auch die offizielle Anerkennung der Rasse ein wesentliches Ziel des Vereins.
Diese Bemühungen wurden jetzt mit Erfolg gekrönt.
Der österreichische Tierzuchtrat hat die eingereichte Zuchtbuchordnung positiv begutachtet und damit den „Österreichisch- Ungarischen Weißen Barockesel“ in Österreich offiziell als neue Rasse anerkannt. Außerdem wurde die neu anerkannte Rasse für das Jahr 2017 als ARCHE Austria Rasse des Jahres auserwählt und der Naturschutzbund hat sie zur Nutztierrasse des Jahres 2017 auserkoren.  

Weltweit gibt es im Vergleich zu den Pferden nur sehr wenige anerkannte Eselrassen. Für Österreich ist es die einzige anerkannte Eselrasse. Für die Zukunft gilt es zu prüfen, inwiefern eine Anerkennung der Rasse in anderen Ländern oder EU- weit sinnvoll ist. 

Die Esel aus dem Stralsunder Zoo werden regelmäßig in Beweidungsprojekten in der Region eingesetzt. Besonders effizient ist ihr Einsatz auf Trockenrasenflächen, die es vor der Verbuschung zu schützen gilt. Auch in Österreich werden die Tiere, beispielsweise in den trockenen Regionen des Nationalparks Neusiedler See, für die Biotoppflege genutzt.