Meldung vom 13.11.2017

Abschluss Sanierung Rathausfassade Stralsund - Die Sterne sind zurück

Die Sterne sind zurückgekehrt!

Seit dem 27. April fehlten sie im oberen Teil der fast 700 Jahre alten Rathausfassade. Das aus gutem Grund: Sie wurden planmäßig im Rahmen der Sanierung der Rathausfassade abgenommen, in eine Spezialwerkstatt gebracht und dort komplett aufge- und überarbeitet.
Heute (13. November) wurden sie Stück für Stück in die Öffnungen in der Rathausfassade wieder eingesetzt. Abgeschlossen sind damit die Arbeiten zur Sanierung der Schaufassade am Stralsunder Rathaus.
Das Baugerüst selber muss noch bis Anfang kommenden Jahres stehen bleiben, da die ca. sechs Wochen dauernde Demontage sonst mitten in den bald beginnenden Weihnachtsmarkt fallen würde, was vom Platzbedarf her nicht möglich ist.

Im Februar hatten die Sanierungsarbeiten begonnen. Sie umfassten eine komplette Mauerwerkssanierung, die Verbesserung der stabilisierenden Stahlkonstruktionen sowie Stahlbau-, Klempner-, Naturstein- und Metallbauarbeiten. So wurden ca. 2.500 Ziegel ausgetauscht und 300 m² Verfugung erneuert. Auf die Rückseite der Fassade wurden 250 m² Putz aufgetragen, 80 m Risse im Mauerwerk wurden saniert. 107 Anker im Mauerwerk wurden freigelegt, gereinigt, mit Korrosionsschutz versehen und wieder vemauert.
Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme betragen fast 700.000 Euro.
Letztmalig wurden Fassadenteile in den Jahren 1993 bis 1995 sowie 1998 saniert.

Vorbereitenden Arbeiten für die jetzt erfolgte Sanierung waren:
2011 Schadenskartierung der Rückseite der Schaufassade
2013 Bauhistorisches Gutachten und Notsicherung durch Abnahme gelöster Mauerwerksteile
2015 wurden Ziegel als Basis für die erforderlichen Materialuntersuchungen und die Formsteinbeschaffung entnommen
2015 Restauratorische, Mauerwerks- und statische Untersuchung

Die Schaufassade hat mit ihren sechs Jochen eine Breite von ca. 30 Metern und eine Gesamthöhe von rund 29 Metern. An der Ostseite reichen die zwei Joche über etwa 13 Meter in die Breite. Bei einer Höhe von 14 Metern beginnen die im oberen Teil freistehenden Schaugiebelflächen.

INFO Sternornamente
Die kupfernen, grün angestrichenen und zum Teil vergoldeten Scheiben haben ein Durchmesser von rund 2,5 m und wiegen pro Scheibe ca. 80 kg. Sie sind nach der Zeichnung aus dem Jahr 1730 folgend von Stadtbaumeister Ernst von Haselberg den spätmittelalterlichen Originalen nachempfunden worden. Bei der barocken Umgestaltung des Rathauses waren die ursprünglichen Sternscheiben zunächst entfernt worden.
Wer die Scheiben, die letztmalig in den frühen 1990er Jahren leicht überarbeitet wurden, in den 1880er Jahre angefertigt hatte, konnte nicht recherchiert werden.
Die mittelalterlichen Scheiben wurden zumindest (wenn einzelne defekt waren) im 17. Jahrhundert ausgebaut und in Lübeck neu gefertigt. Warum dort? Offenbar gab es hier zu dem Zeitpunkt - nach der Wallenstein-Zeit kein mit Wasser betriebenes Kupferhammerwerk mehr. Bis 1628 hatte Stralsund eins.
Eine Vergoldung der Scheiben wird übrigens in Quellen des 16. Jahrhunderts erwähnt.
Über die Bedeutung der Sterne in den Scheiben gibt es nur Theorien. Möglich ist u.a. die, darin das Sinnbild des Himmels (Himmelsreich) als Element der göttlichen Ordnung zu sehen, die über der irdischen, menschlichen Ordnung (wofür das Rathaus mit dem Rat steht) steht.

Die Sternscheiben kehren zurück