Geschichte

Aus verschiedenen Urkundendepots des Stralsunder Rates, der Kirchen und Handwerksämter formierte sich im 15. und 16. Jahrhundert das Ratsarchiv als Vorläufer des heutigen Stadtarchivs.

Im Jahr 1589 legte der Ratsherr und spätere Bürgermeister Bartholomäus Sastrow ein erstes Rubrikenbuch für Urkunden an. Die Verwaltung des Ratsarchivs oblag seit dieser Zeit den Sekretären, die zudem auch sämtliche mit dem Rat in Verbindung stehenden Akten verwahrten - offenbar jedoch noch ohne ein geeignetes System, was verschiedene Klagen über den äußerst schlechten Ordnungszustand belegen.

Doch erst seit dem Jahr 1795 lässt sich mit dem Wirken des Syndikus Rudolf Gülich der Versuch einer sinnvollen Ordnung nachweisen. Ihm folgte Arnold Brandenburg, der seit seiner Ernennung zum Syndicus 1820 über ein einheitliches Archiv unter Einbeziehung kirchlicher Körperschaften, Stiftungen und Gewerke nachdachte. Zur Umsetzung seiner Ideen fehlten ihm aber Zeit und Mittel.

Dekaden zuvor begann die Entwicklung der Ratsbibliothek, die auf eine Stiftung des Stralsunder Rechtsgelehrten Henning Leve (1647–1709) zurückgeht. Neben seiner Büchersammlung vermachte er der Stadt das notwendige Kapital zu deren Unterbringung, Instandhaltung und Erweiterung sowie der Beschäftigung eines Bibliothekars. Bereits seit 1730 war die Sammlung in der warmen Jahreszeit einmal im Monat der Öffentlichkeit zugänglich.

Die Neuordnung des Ratsarchivs nahm der Rechtsreferendar Dr. Ferdinand Fabricius im Jahr 1868 in Angriff. Im Jahr 1870 wurde er als Protonotar zugleich auch als erster Archivar im Nebenamt fest eingestellt. Fabricius bekleidete das Amt bis zu seiner Ernennung zum Obergerichtsassessor in Osnabrück im Jahr 1873. Nach seiner Amtszeit war das Archiv zunächst zwar ohne amtliche Aufsicht, konnte nach Absprache aber schon zu Forschungszwecken genutzt werden.

Eine erste Archivordnung erließ der Rat im Jahr 1887, wonach es niemandem erlaubt war, ohne das Wissen des Syndikus Erichson Akten ins Archiv zu geben sowie ohne die Genehmigung des Rates Akten daraus zu entnehmen und zu vernichten.

Etwa um diese Zeit, seit dem Wirken des auf dem Gebiet der christlichen Archäologie spezialisierten Gründers des Provinzialmuseums für Neuvorpommern und Rügen, Rudolph Baiers, rückten neben historischen Akten und Urkunden auch die historischen Buchbestände der Ratsbibliothek in den Fokus des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses.

Im Jahr 1919 wurde der Dresdener Altphilologe Dr. Fritz Adler für die Leitung des Stadtarchivs, zugleich aber auch der Stadtbibliothek, der Volkshochschule und des Museums berufen. Adler prägte die Entwicklung dieser Einrichtungen, besonders aber auch ihre historischen Sammlungen bis zu seinem Fortgang im Jahr 1950.

Seit dieser Zeit wurde das Archiv wieder separat und seit 1964 mit den aus der Ratsbibliothek übernommenen historischen Buchbeständen der Ratsbibliothek unter der Leitung Prof. Dr. Herbert Ewes neu geordnet. Durch Ewes verdienstvolles Wirken entwickelte sich das Stadtarchiv Stralsund im Johanniskloster zu einer international anerkannten Forschungsstätte.

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